Schreiben — Historisch?, Neu?, Anders?.

Wie werden Bücher geschrieben die gelesen werden? Was kann ein Forscher tun, damit seine Erkenntnisse nicht nur von einem Fachpublikum mit Gewinn weiter verarbeitet wird? Und warum ist das überhaupt ein Ziel?

Folgende Ausführungen sind Überlegungen nach/mit und ein bisschen gegen eine Veranstaltung, die ich in den letzten Tagen besucht habe. Die Gedanken sind noch in völliger Unordnung, weshalb der Eintrag an Stringenz noch zu wünschen übrig lässt. Das Zustandekommen der Ideen ist stark mit Persönlichkeiten verknüpft, welche an dieser Stelle nicht genannt werden.

Schreiben über Ereignisse in der Geschichte, über Ereignisse der Geschichte und über Wandel beinhalten vier Komponenten oder Modi, die je nach Darstellungswunsch und -absicht, gemischt werden müssen/können.

Im Zentrum stehen:

  • Narrativ
  • Deskriptiv
  • Argumentativ
  • und Quelleninterpretation (letzteres finde ich noch etwas unausgegoren)

Gefragt werden muss vor Beginn des Schreibprozesses nach den Meistern und der Dominanz der Verhältnisse.

Im Gegensatz zum zentralen Untersuchungsobjekt soll das Umfeld, der Rahmen definiert und so festgelegt sein, dass während der Untersuchung nicht an den Parametern geschraubt wird. Nur so wird es möglich, den Untersuchungsgegenstand in seiner Beweglichkeit, in seinem Wandel darzustellen, ohne dass das Rundherum auch im Wandel dargestellt wird.

Zur Analyse hilft es eine Distanz zwischen sich und das Analyseobjekt zu stellen. Man könnte gar die Distanz als Ziel definieren (Dies steht natürlich Bestrebungen entgegen andere Kulturen zu verstehen und sich ihnen einzufühlen, aber vielleicht liegt genau hier die Stärke der Distanz, man will die eigene Perspektive nicht überwinden—etwas, das wohl sowieso nicht möglich wäre). Die Distanz richtet sich konkret gegen „Illusionen der Fülle“, welche rein beschreibend und nicht analysierend zu sein vorgeben:

Eine voreiliges Füllen der leeren Räume…

Drei Probleme stellen sich im Zusammenhang mit historischem Schreiben:

  1. Handeln ohne Subjekten oder mit zuviel Protagonisten
  2. Es geht um Prozesse und nicht Geschichten
  3. Synchron und diachron müssen komplexe, dynamische Entitäten (die evtl. gar nicht stattgefunden haben, dazu später mal mehr im Zusammenhang mit Even-Zohar und Polysystemtheorie) eingeordnet und analysiert werden.

Und was tun gewiefte Geschichtenerzähler um die Gefahren zu umlaufen?

Es wird Geschichte geschrieben, ohne Wandel—obwohl der Wandel immer Zentral ist, oder sein sollte(?)—; ein Objekt wird (zu) stark fokusiert und der Vorgang nicht entsprechend deklariert [Trick of scale]; das Objekt wird (klammheimlich) ersetzt, man spricht vom „Intelektuellen Diskurs“ und projziert diesen auf die „Nation“; Scheinobjekte und Scheinsubjekte—wie etwa die Klasse—werden geschaffen (ob man dem „Hypostatisierung“ sagen soll?).

Nachdem Werkzeuge (Komponenten, modi …) geklärt, die Probleme aufgezeigt und die „miesen Tricks“ offengelegt wurden, müsste eigentlich ein Rezept folgen… Aber wie es scheint, gibt es keine guten Tricks.

Jedes Untersuchungsgebiet erfordert seine eigene Ein- und Abgrenzung, seine eigene Form der Darstellung und vielleicht gar seine eigene Schreibform (das passt insbesondere zu meinem Untersuchungsobjekt—oder ist es schon ein Subjekt…). Nähe und Distanz, und die Vergegenwärtigung von Zeit müssen ständig präsent sein; Leerräume stehen der Anschaulichkeit entgegen (flüchten wir uns nach der Hochabstraktion in die Anschaulichkeit?); Kontingenz stellt sich den Prozessen und ihren Akteuren quer… und, und, und

Es folgt noch die Frage nach dem Publikum: Wer wird bedient mit Schriftgut der Historiker (die Absatzzahlen betrachtend, steht das Genre ausgesprochen gut da, im Vergleich auch etwa zu den Life sciences [zu dem Begriff müsste auch mal ein Blogpost her…]), wer soll sich überhaupt angesprochen fühlen? Oder—und im Moment gefällt mir der Gedanke am Besten—, schreibt man sein erstes Buch ohnehin nur für sich (und seine Referenten)? [Dieser Punkt ist wieder einmal: „to be continued…“]

Das letzte Problem, das im Zusammenhang mit Schreiben über das Handeln in der Vergangenheit hier angesprochen werden soll, ist die Quellenmasse. Wie kann man mit der Masse an Quellen, mit ihrer gleichzeitigen Leere umgehen? Was interessiert steht sowieso nie direkt in den Quellen und wenn doch, dann ist es auffällig. Wie vermittelt man die „Massivität“ und „Materialität“ des Überkommenen? Wie viele Beispiele braucht es um exemplarisches Vorgehen zu rechtfertigen (und natürlich dem Quantitativen abzuschwören…)? Wiederum muss wohl der Untersuchungsgegenstand seine Form des Umgangs mit den Quellen finden und legitimieren.

Schliesslich, aber nicht abschliessend gefällt mir der folgende Grundsatz (leider finde ich den Urheber gerade nicht):

Schreib so einfach wie zur Erklärung möglich

simpel und gut…



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