Digitale Quellenkritik (back to the future???)

In der vergangenen Woche beschäftigte sich an der .hist2011 die Fachöffentlichkeit mit dem digitalen Geschichtswandel.

Neben der etwas unausgeglichenen Verteilung der besuchten Panels und Werkstattberichten (… Historiker scheinen sich nur noch für die Praxis zu interessieren …) fiel mir der doch etwas problematische Ansatz im Umgang mit (digital-born) Quellen auf.

Obwohl es nie verkehrt ist die Anfänge des Fachs in Überlegungen zu neuen Entwicklungen miteinzubeziehen, finde ich es doch bedenklich, wenn man die „Errungenschaften“ der letzten zweihundert (oder auch nur zwanzig) Jahren mir nichts dir nichts über Bord wirft.

Wurde doch im Zusammenhang mit digitaler Quellenkritik allzu gern der Bezug auf Ranke und Droysen gemacht, wogegen es wie gesagt grundsätzlich nichts einzuwenden gilt, jedoch zeigt es, wie wenig heutzutage Quellenkritik ernstgenommen wird (auch in Bezug auf analoge Quellen).

Als Mediävist fühlt man sich durch die Problematik angestachelt, die Diskussion zu verbreitern:

  1. Das Problem der Veränderbarkeit von Texten besteht nicht erst seit Hypertext, Pages mit dynamischen Inhalten o.ä.; die Frage was überhaupt Text ist, bleibt in dem Zusammenhang wichtig (auch im Post-post-(…)-strukturalismus).
  2. Original, Kopie und Originalkopie sind Konstrukte, die gerade nicht Internet-inhärent sind, sondern eher der Vorstellung der Objekthaftigkeit von Quellen entstammen (obwohl die Textualität gemeint ist). In dem Zusammenhang sollten wir uns mal Gedanken machen, was Quellen überhaupt sind und welchen Stellenwert sie in unserem Alltag haben.
  3. Zu Überbleibsel und Tradition… da bring ich nicht mehr über die Tastatur, als folgende Literatur angaben:
  • Hildbrand, Thomas: Herrschaft, Schrift und Gedächtnis. Das Kloster Allerheiligen und sein Umgang mit Wissen in Wirtschaft, Recht und Archiv (11.-16. Jahrhundert). Zürich 1996.
  • Teuscher, Simon: Erzähltes Recht. Lokale Herrschaft, Verschriftlichung und Traditionsbildung im Spätmittelalter. Frankfurt am Main 2007.
  • Brun, Peter: Schrift und politisches Handeln. Eine „zugeschriebene“ Geschichte des Aargaus 1415-1425. Zürich 2006.

Mein grösstes Problem an der Diskussion ist dabei, dass eine Lösung der „wirklichen“ Probleme höchstens periphär angedacht wird.

to be continued…



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