Haltbarkeit von Blog-Artikeln — oder was passiert in der Zukunft mit der Vergangenheit

Schreibt man Blog-Artikel, überlegt man sich zwangsläufig, wer und vor allem wie lange die „publizierten“ Ergüsse (— schöne Definition für einen Blog-Artikel) noch im Netz rumschwirren werden. Bedenkt man die Halbwertszeit von Webangeboten, besteht die starke Chance, dass die Server in Kürze, in „Historiker-Zeit“ gemessen, nicht mehr online sein werden.
Fraglich bleibt, ob das jetzt auch für den Blogbetreiber WordPress gilt? Sind Blogbetreiber Spezialfälle? Wohl nicht. Haben die überhaupt langfristige Pläne, wie die Menge an Daten für die nächsten zwei?, zehn??, hundert??? Jahre verwaltet werden soll?

Die Frage jedenfalls bleibt: wie lange sollen die Einträge, die meist aus gewissen Launen entstehen, der Nachwelt erhalten bleiben? Und ist es ein Problem, dass langfristig Dokumente aus dem Internetzeitalter nicht erhalten blieben werden? Oder ist das Netz so selbst kopierend, dass alles haltbar gemacht wird? Und damit denke ich nicht an systematische Versuche der Archivierung, wie sie etwa von der Library of Congress geplant sind.

Noch heikler wird die Problematik, denkt man an Micro-Blogging wie Twitter und Statusmeldungen, wie sie auf Facebook gepostet werden. Und damit ist die Frage noch nicht angesprochen, welche Daten wieso gespeichert werden sollen und welche Rechte der Urheber (existiert das Urheber-Konzept überhaupt noch?) an seinen „Ergüssen“ überhaupt noch hat. Wird in Zukunft das Staatsarchiv Aargau versuchen die regelmässigen Updates seiner Bewohner auf seiner „LEADAG“ fixieren? Muss man das StAAG „like“n, damit die Nachwelt den Dialekt des Aargaus Anfang des 21. Jh. anhand von Twitter updates an der eigenen Person erfahren kann.Bei den Ausführungen denkt der Autor (gibt’s das Konzept noch?) nicht an sich selber, ist der eigene Dialekt doch noch stark urschweizerisch gefärbt…

Zurück zur Ausgangsposition: Wie lange sollen Blogeinträge überhaupt gelesen werden können? Sollte die Möglichkeit bestehen, dass Einträge ablaufen? Für gewisse Partyfotos, die irgendwie den Weg ins Netz finden, wäre es definitiv zu befürworten.

Das Angesprochene koreliert natürlich mit zu erwartenden Problemen der „Digitalen-Inkunabelnzeit“ (schön nachzulesen in Habers „Digital Past“ — Er stellt das Überlieferungsproblem bei jedem Medienwandel insbesondere bei der Erfindung des Druckes fest). Aber ist es wirklich so, dass ein Bedürfnis besteht, Techniken der Archivierung für digital-born Daten zu entwickeln? Will überhaupt jemand (abgesehen von ein paar komischen Historikern) in 10 Jahren (oder eher 10 Minuten) noch lesen, was er selbst für wichtig hielt?

Ich stelle mir die Frage, da ich der Überzeugung bin (entgegen McLuhan und Konsorten), dass nicht die Technik einen Wandel hervorruft, sondern Wandel und Bedürfnisse Techniken entwickelt (das Argument mit zufälligen Entdeckungen, die sich als revolutionär erweisen, blende ich gezielt aus). Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass erst das Bewusstsein (der Wille?) bestehen muss um sein Werk über die Zeit zu retten, bevor die Technik überhaupt relevant wird.

Brauchen wir deswegen eine awareness-Kampagne?



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s