Schnittstellensuche — Zwischen Archiv und wissenschaftlichem Schreiben

Aus der Serie „Wunschliste“ …

Archivsignaturen werden meistens in wissenschaftlichen (oder zumindest „wissenschaftlichen Ansprüchen nahe kommenden“) Texterzeugnissen benutzt. Meist werden die Dokumente in Archiven in Kleinstarbeit zusammengeklaubt, quergelesen, verglichen, nochmals detaillierter analysiert und schliesslich zitiert. (Oder aber – und hier nur in Klammer – aus anderen Texten kopiert und als Beleg benutzt für etwas, das man selbst gerade nicht gefunden hat, aber sicher finden würde, wenn man denn Zeit und so weiter).

Dem Leser des Texterzeugnisses bleibt während der Lektüre nichts anderes übrig, als dem Autor zu glauben. In einem späteren Stadium steht es ihm zwar offen, das zitierte Stück selbst in Augenschein zu nehmen, aber mal ehrlich, wie oft geschieht das schon? (mal abgesehen von den paar Stücken die in der eigenen Disziplin immer und immer wieder hervorgeholt werden, bis dazu nicht mehr publiziert werden sollte)

Eine neuere Möglichkeit ist es, das Stück via Archivsoftware (wenn denn so was für das betreffenden Archiv bereitgestellt wird) aufzufinden, um herauszufinden, ob das zitierte Ding überhaupt existiert und welche weiteren Informationen bereits verfügbar sind (Metadaten, Regesten, Digitalisate etc.).

Weshalb – so meine Frage (und gleichzeitige Wunschvorstellung) – ist es nicht möglich, die Zitation direkt mit dem Eintrag in der Archivsoftware zu verknüpfen?

Problemlos kann ich auf einer von mir betriebenen Internetseite Ausschnitte aus google maps einbinden, Marken setzen, Routen planen und so weiter. Alles dank APIs . Etwas, dass die Archive (allem Anschein, und einer kurzen, erfolglosen Internetsuche nach) mit ihren Daten nicht wollen(?) – oder nicht anbieten. Die Vorteile wären (meines Erachtens nach, für Internetpublikationen insbesondere) eklatant:

  • Der Leser erhält mittels Link einen Einblick in das zitierte Stück und die Verortung innerhalb des Archivs.
  • Der Autor hat die Sicherheit, dass auch nach einer Umordnung der Archivalien sein Stück noch aufgefunden wird (nicht, dass ich ungern Konkordanzlisten durchwälzen würde)
  • Das Archiv findet (bei gut gemachten APIs automatisch) Zitierungen, der eigenen Stücke und bleibt dadurch informiert, was die Aussenwelt mit ihren Heiligtümern macht.

Besonders im Zusammenhang mit Digitalisierungsvorhaben (wer macht das im Moment schon nicht) wird das Verfahren interessant, da in der Publikation die Bilder der Dokumente geladen werden können (und zwar genau diejenigen, die das Archiv freigegeben hat).

Bei (digitalen) Editionen wird der Vorteil ebenfalls offensichtlich: Während das Archiv für die Dokumente die Datenhoheit behält (auch und insbesondere für die Faksimile und die Metadaten), kann das Editionsunternehmen sich bequem mit dem Archiv verknüpfen und behält dabei die Datenhoheit an der eigenen Arbeitsleistung (der Edition, dem Kommentar und register-artigen Einträgen).

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.



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