Hoffnungen und Radierungen

Dank einem Tweet von Melissa Terras (UCL) [übrigens eine sehr spannende Bloggerin, wenn sie nicht gerade über Taschen spricht] bin ich auf die Site retroreveal.org gestossen. Die Seite versucht unleserliche Schreibschichten wieder sichtbar zu machen. Technisch geht es darum die Farbspektren in den Informationen von digitalen Bilder auszuloten (meine Vorlagendateien im angewendeten Fall unten sind als JPG bereits komprimiert, evtl. ergeben sich bessere Resultate, sobald ich an die TIFs komme). Die retroreveal-Seite macht eigentlich nichts anderes als alle Farbspektren aufzubereiten und dem User darzustellen, sodass er selbst wählen kann, welche Ansicht sie oder ihn weiterbringt.

Auch im Königsfelder Bestand finden sich einige Radierungen, die trotz Einsatz von Ultraviolet-Licht nicht leserlicher werden. Und obwohl ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, könnte der Ansatz von retroReveal hilfreich sein, die knapp zwei Absätze nach 700 Jahren wieder lesbar zu machen.

Unten angehängt Bilder aus dem ersten Kopialbuch des Kloster Königsfelden (heute Staatsarchiv Aargau, AA/0428 fol. 27r.), die Herstellung wird datiert auf 1336 (gleichzeitig zur Fertigstellung des Chores mit den Glasfenstern). Die Bilder stammen aus dem freizugänglichen Bestand von e-Codices (cc by nc) 1. nur Ausschnitt ohne Bearbeitung, 2. Bearbeitung (Colorspace Luv, Channel L), 3. Bearbeitung (Colorspace RGB, Channel B).

Ein Vergleich mit der darauffolgenden Seite fol. 27v. (rechte Spalte) zeigt, dass der erkennbar gewordene Text nicht die Tinte der Rückseite zeigt; die Buchstaben stimmen meiner Meinung nach nicht überein.

Trotz der gebotenen Möglichkeit durch retroReveal wird es eine mühsame Arbeit bleiben, die Buchstaben zu Worten zusammenzubringen. Diesbezüglich versuche ich auch die gebotene Möglichkeit auf der retro-Reveal-Seite auszuloten, welche User versucht miteinzubeziehen. Mal schaun…

Zufällig durfte ich gerade letzte Woche eine längere Diskussion mit einem Philosophen führen, welcher meine „Methodologie“ bezüglich der Radierungen in Frage stellte. Konkret meinte er, dass es sich bei der Stelle auch um Verschreiber handeln könnte und nicht um gezielte Radierungen um das Selbstbild des Klosters (und seine Überlieferung) 15 Jahre nach der Niederschrift anzupassen (wie ich zuvor argumentierte). Jedenfalls scheint sich Ansporn und neue Methode im richtigen Moment getroffen zu haben…



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