Online-Unterricht — eine Versuchsanordnung

Als Teil eines Kolloquiums zu den Hilfswissenschaften der Geschichtswissenschaft habe ich eine Sitzung nur online absolvieren lassen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren durchwachsen, soviel vornegeweg.

Als Reflexion eine kurze Rekapitulation: Ziel der 90 Minuten war es den Teilnehmenden Internetressourcen (aufgeteilt in „Literatur/Literaturnachschlagewerke“ und „Quellen“) näher zu bringen die in der Geschichtswissenschaft nützlich sind. Die Versuchsanordnung sah ein Inputreferat von 15 Minuten vor (verbreitet via ein Stream über das Portal ustream.tv), gefolgt von einer kurzen individuellen Internetrecherche (basierend auf zwei Google Docs: hier und hier, die neben einer kürzest Einführung nicht mehr als die Links zu den Ressourcen boten). Danach sollten die Erkenntnisse der kurzen Durchsicht in einem Chat verallgemeinert und zusammengetragen werden. Abschluss der Veranstaltung bildete ein erneuter Stream (selbe Adresse auf ustream wie zuvor), in welchem ein externer Experte und zwei Teilnehmende per Skype zugeschaltet wurden und die Ergebnisse des Gruppenchats diskutiert wurden.

Aus technischer Sicht gab es erstaunlich wenig Probleme: Eine Teilnehmerin konnte den Stream nicht empfangen und die geschaltete Werbung auf dem Stream-Portal stellte sich als wenig nervschonend heraus. Ansonsten funktionierte eigentlich alles problemlos. Angemerkt wurde von Seiten der Teilnehmenden einzig, dass der Einstieg schwierig war, da die meisten der genutzten Tools nicht bekannt waren. Eine sehr interessante Bemerkung, da in den häufig vorgebrachten Meinungen von Web-Medien-Experten die jüngere Generation (alle Teilnehmenden waren zwischen 20 und 30) als „Digital Natives“ bezeichnet werden, die einen „natürlichen“ Umgang mit dem Medium Internet pflegten. (Kleine Fussnote: Ich bin mit der „digital-migration“-Typologie — also „digital immigrant“ vs. „digital native“ — alles andere als Einverstanden und plädiere für eine feinere Einordnung, was jedoch ein andere Thema darstellt) Offensichtlich ist der Umgang nie selbstverständlich. Was mich auch mit der Hoffnung erfüllt, dass bei mehrfacher Durchführung dieser Lernform, effizientere Resultate zu erwarten wären.

Inhaltlich würde ich das Resultat als „befriedigend“ würdigen; alle Teilnehmenden mussten sich mit einer Ressource beschäftigen und der Frage nachgehen, was, nach welchen Kriterien, wie dargeboten wird. Die darauffolgenden Diskussionen (in Chatform), die eigtl. in eine Schlussdiskussion zur Frage «Welchen Nutzen bringen digitale/digitalisierte Angebote dem Historiker, der Historikerin?» münden sollte, waren nur teils weiterführend, da organisatorische Aspekte (wer muss am Ende mit dem Dozenten skypen) die Diskussion beherrschten. Das Resultat: Zwei PDF-Dokumente mit kommentierten Links, würde ich dennoch als gelungen bezeichnen (Links siehe oben).

Als Hauptkritik muss die „Präsenzzeit“ hervorgehoben werden: Es war nur möglich zum Zeitpunkt der Veranstaltung die Aufgaben zu bearbeiten. Eine der grössten Stärken der meisten Netzlernplattformen „zeitliche Unabhängigkeit“ (neben der örtlichen) konnte nicht angeboten werden. Bei einer Wiederholung des Experiments würde ich daher die Einheit auf einen längeren Zeitraum (1-2 Wochen) anlegen. Die Streams so zugänglich machen, dass sie zu jeder Zeit abgerufen werden könnnten und die Einschaltungen via Skype in den Präsenzunterricht zurück verlegen. Diskussionen wären wohl auch besser in einem Diskussionsforum, als in einem Chat aufgehoben.

Aus dieser Warte betrachtet, läuft die Lösung zu einem ähnlichen Produkt wie von Coursera bereits angeboten heraus. Die kleine Gruppe könnte sich jedoch als Vorteil herausstellen, wenn auch die Diskussion (in kleinen Gruppen via Skype?) in den Vordergrund gerückt wird. Auch könnte, bei längerer Arbeitszeit, eine (online-)Präsentation als Assignement festgelegt werden.

Grundsätzlich bin ich von den Möglichkeiten des Online-Unterrichts (insbesondere auf Universitätsstufe) überzeugt und denke, dass in Zukunft Veranstaltungen zwischen Cyber- und Seminarraum durchgeführt werden sollen.



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s