6. Schoenberg Manuscript Symposium – take aways

Das in Philadelphia abgehaltene Symposium bringt regelmässig Experten der „alten“ Manuskriptwissenschaften und der „neuen“ digitalen Welt zusammen und natürlich insbesondere auch solche, welche sich in beiden Welten bewegen (die Trennung stellte sich als äusserst dünn heraus). Dass die Zusammenarbeit alle beteiligten Wissenschaftszweige belebt, zeigten die vergangenen Tag und eine Reihe von Verknüpfungen die aus früheren Symposien hervorgingen.

Hier einige Ansätze und Tools die (höchst subjektiv) als aussergewöhnlich oder interessant gewertet wurden:

Zum Anfang ein neuer Ansatz zur Identifikation von Schreiberhänden: Im Gegensatz zum Versuch einzelne Eigenheiten von Schreibern zu identifizieren, wie in DigiPal praktiziert, versucht Elaine Treharne (Stanford), dass die Messung von Zwischenräumen zwischen Buchstaben und Zeilen möglicherweise ein Mittel zur Identifikation sein könnte.

Ganz in eine andere Richtung deutete die Untersuchungen von Kathryn Rudy: Ihre „dirty books“ (vorwiegend Stundenbücher aus dem niederländischen Raum) sind teilweise abgegriffen, dies eröffnet die Möglichkeit den tatsächlichen Gebrauch der Bücher abzuschätzen. Mittels densitometrischer Analyse (eigentlich die Messung der Verfärbung) ist es möglich zu zeigen, dass vorwiegend die Seiten aufgeschlagen wurden, welche die höchsten Ablassleistungen versprachen. Genauer in ihrem Aufsatz von 2010 (hier). In einer Abwandlung beschäftigt sie sich nun mit „osculatory targets“: Illuminationen die geküsst wurden und dadurch teilweise gravierende „Schäden“ erlitten. Wobei sie die Theorie vertritt, dass der Akt aus der Öffentlichkeit in den privaten Umgang mit Schriftstücken eingang fand.

Ganz andere Probleme können mittels T-Pen umgangen (und neu geschaffen werden): Das Tool, dass bereits seit längerer Zeit verfügbar ist, hilft bei der Erstellung von Transkriptionen und Editionen. Mittlerweilen ist das Produkt soweit, dass TEI unterstützt wird oder aber auch eigene Definitionspakete geladen werden können. Dank der Übernahme von frei verfügbaren Handschriften (etwa aus e-codices) ist auch für den nur testenden User genügend Material vorhanden. T-Pen ist als freie Software konzipiert und kann dadurch auch auf eigenen Servern installiert und betrieben werden, was das Produkt für Editionsunternehmungen interessant machen dürfte.

Viel geschlossener und auf Lehre ausgerichtet ist Homer Multitext. Obwohl die bearbeiteten Manuskript der Illias offen zugänglich sind, wird der wirkliche Leistungsumfang nicht auf der Internetseite sichtbar. Jeder beliebige Teil (eines Bildes, eines Textausschnitts etc.) ist zitier- und verknüpfbar. Wörterbücher und Ontologien schreiben dabei vor, welche Werte überhaupt eingegeben werden können, wobei die Eingabe von Schreibvarianten auch berücksichtigt wurde.

Schliesslich sei auf das Projekt von Martin Foys (UCL) hingewiesen, welcher mit dem Virtual Mappa Project unterschiedliche Karten annotiert und Verknüpfungen herstellt zwischen den Karten und zeitgenössischen Texten, die sich mit Geographie beschäftigen (hier beschrieben). Die Software, welche die Verknüpfung möglich macht ist ausgesprochen intuitiv zu bedienen und geeignet um eigene Korpora zu schaffen: DM Tools for Digital Annotation and Linking.

Das Programm des gesamten Symposiums findet sich hier.


One Comment on “6. Schoenberg Manuscript Symposium – take aways”

  1. […] 6. Schoenberg Manuscript Symposium – take aways Das kleine Digitale, ein paar Überlegungen nach Feierabend […]


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