UZH und das «Fach» Schweizer Geschichte

[Der Beitrag ist – wie der gesamte Blog – unabhängig von meiner Anstellung an der UZH]

Am Historischen Seminar der Universität Zürich wird Schweizer Geschichte auch aus dem Fächerkanon der Nebenfächer gestrichen. Das ist meiner Meinung nach nicht weiter schlimm, im Gegenteil. Die Aufruhr einiger Kantonsräte wird wohl ein Sturm im Wasserglas bleiben (Link: http://zol.ch/ueberregional/kanton-zuerich/UniFach-Schweizer-Geschichte-faellt-weg/story/13333164).

Bislang war es möglich an der Uni Zürich neben Geschichte eine Vielzahl von Untergebieten zu studieren, neben den Zeitbereichen (Alte, Mittlere und Neuere Geschichte) auch Schweizer Geschichte, sowohl auf Bachelor- als auch auf Master-Stufe und mit unterschiedlichen Punktezahlen. Die Streichung der Programme war ein Entscheid der Seminarkonferenz, welcher auch von den Ständen mitgetragen wurden, um nicht eine zu breite, verwirrende Palette an Programmen anzubieten, die nichts zur Profilierung des Seminars beitragen.

Das Problem der nun abgeschafften Studienprogrammen lag in ihrer Konzeption beziehungsweise im Fehlen derselben. Nur wenig wurde investiert um ein Curriculum herzustellen, welches die Programme als eigenständig herausstellte. Dies war grundsätzlich auch problemlos möglich, da eine Vielzahl der ohnehin abgehaltenen Veranstaltungen in den Programmen angeboten werden konnte.

Die in den Programmen erworbenen Skills unterschieden sich entsprechend überhaupt nicht von denjenigen in den „Hauptprogrammen“ (Geschichte als Haupt- bzw. Nebenfach).

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass keine Veranstaltungen durchgeführt wurden, aufgrund der Existenz der Programme.
Demnach stellten die Veranstaltungen weder für Studierende der Programme noch für das Seminar einen Mehrwert dar. Im Gegenteil führte die Existenz eher zu Verwirrungen und Unsicherheiten (und teilweise der Suche nach Veranstaltungen, welche in den Programmen angerechnet werden konnten).

Heisst dies, dass die Schweizer Geschichte an der Universität Zürich nicht mehr gelehrt wird?
Nein, im Gegenteil. Ein Blick, etwa auf die Veranstaltungen im kommenden Frühjahrssemester zeigen, dass eine Vielzahl der Veranstaltungen einen Blick auf Ereignisse mit Bezug der Schweiz herstellen (auch wenn dies teilweise erst mit Blick auf die Programme klar wird).

Auch bei den Abschlussarbeiten fällt auf, dass die Schweiz und ihre Geschichte im Interesse der Studierenden und ihrer Betreuenden liegt. Auch – und insbesondere – an Lehrstühlen mit Fokus ausserhalb der Schweiz sind starke Verknüpfungen zur Geschichte des Landes erkennbar (Siehe bspw. die von Frau Prof. Krüger betreuten Abschlussarbeiten: http://www.hist.uzh.ch/fachbereiche/neuzeit/lehrstuehle/krueger/forschung/lizmasterarbeiten.html)

Folglich erleidet die Schweizer Geschichte an der Uni Zürich keine Schwächung durch die Abschaffung der entsprechenden Studienprogramme, es wird einzig ein administrativer Aufwand ohne Mehrwert entfernt.



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